VDAB-Veranstaltung

"Was bringen Kundenorientierung und
Zertifizierung des TÜV im Wettbewerb?"

Auszug aus VDAB-Journal Durchblick 2/98, S.6

 

Studie zu Angeboten für pflegende Angehörige

Erstmals stellte Dr. Reck-Hog eine Studie ihres Instituts zu Bildungs- und Beratungsangeboten für pflegende Angehörige vor. Die wesentlichen Ergebnisse faßte sie wie folgt zusammen:

Erwartungen von Kunden

Dr. Reck-Hog sprach unter anderem Empfehlungen aus, die den Diensten als Anstoß zur Weiterentwicklung dienen können. Das Wichtigste stellte sie so heraus:

AufgabenfeIder (im Umgang mit pflegenden Angehörigen)

 

Kurse in häuslicher Pflege

Um pflegende Angehörige zur Teilnahme an einem Kurs in häuslicher Krankenpflege zu motivieren, sollte bei Ausschreibungen darauf aufmerksam gemacht werden, daß dies nicht nur dem pflegebedürftigen Angehörigen, sondern auch dem Pflegebedürftigen dient.

Die Einzelberatung vor Ort, die derzeit zum größten Teil von ambulanten Pflegediensten geleistet wird, sollte ,,intensiver bekannt gemacht werden", so eine weitere Empfehlung des KOSOS-lnstituts.

 

Verbesserungsvorschläge nicht nur für Pflegedienste

Mit den ausführlichen Empfehlungen spricht das KOSOS-Institut allerdings nicht nur die Pflegedienste an. An die Adresse von Kostenträgern, Wohlfahrtsverbänden und auch kommunalen Einrichtungen richtet sich die Empfehlung, besonders älteren, pflegenden Angehörigen, die mit dem Ausfüllen von Anträgen überfordert sind, durch Beratungen zu helfen.

Akutkrankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen sollten in breiterem Umfang Bildungsangebote einrichten, denn bei plötzlicher Pflegebedürftigkeit (z. B. nach Schlaganfall, schwerem Herzinfarkt) sind Angehörige auf umfassende Informationen und praktische Hilfen angewiesen.

Die Hausärzte sollten pflegenden Angehörigen beratend zur Seite stehen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, daß der Ärzteschaft "regelmäßig aktuelles Übersichtsmaterial über alle lokalen Bildungs- und Beratungsangebote" (z. B. Vorträge, Kurse in häuslicher Krankenpflege, Gesprächskreise) zur Verfügung gestellt wird.

Auch öffentlich bekannte Bildungseinrichtungen, wie etwa Volkshochschulen werden in der Studie angesprochen. Ihnen wird empfohlen, ältere Menschen und ihren Angehörigen bereits vor Eintritt von Pflegebedürftigkeit über das "Spektrum lokaler Einrichtungen und Hilfsdienste" zu informieren.

Von Pflegekassen, Landes- und Bundesministerien, Verbänden und Vereinen wird kostenlose Literatur zu Themen wie Pflegen zu Hause, Wohnen im Alter sowie Krankheitsbildern angeboten. Allerdings, so die Empfehlung des Instituts, sollten einzelne Kostenträger insbesondere ihre lnformationsbroschüren zur Pflegeversicherung und ihre Merkblätter zu einzelnen Anträgen auf Verständlichkeit überprüfen. An die Pflegekassen richtet sich die Anregung, eine einfache Checkliste speziell für pflegende Angehörige zu erstellen, um ihnen bei plötzlicher Konfrontation mit der Pflegebedürftigkeit zu helfen.

Ihre Darstellung der Studie belebte Dr. Reck-Hog zwischenzeitlich mit einigen Zitaten von pflegenden Angehörigen, die sie im Verlauf der Recherchen gesammelt hatte. Hier ein kurzer Auszug:

"Was belastend ist, ist dieses rund um die Uhr da sein müssen, Mitdenken müssen, wenn ich weg will, wer kann kommen oder muß ich in zwei Stunden wieder hier sein?" (Pflegende Tochter)

"Man ist kein freier Mensch. Eingeschränkt ist man in allem." (Pflegende Ehefrau)

Diese Aussagen regen sicherlich zum Nachdenken an, so wie die gesamte Veranstaltung ein hilfreicher Anstoß zur Weiterentwicklung für ambulante Pflegedienste war.

Text und Fotos: Simone Ruch

VDAB-Journal Durchblick 2/98